"natureDESIGN_textileLAB" während Kriesten Nature & Textile Week

Idee

Die Ursprungsidee zur gemeinsamen Kunstinstallation, mit einer zweiten Textildesignerin und einem Landschaftsarchitekten beruhte auf einer Ausschreibung an die Mitglieder des Bundes der Kunsthandwerker, Baden-Württemberg e.V., für eine Ausstellung in den historischen Räumen eines Schlosses in Baden-Württemberg.

Die Einreichung der Installation „natureDESIGN_textileLAB“ wurde jedoch im Februar 2018 von der Jury abgelehnt, da u.a. Flüssigkeit, Erde und andere Naturmaterialien in den Ausstellungsräumen „nicht vertretbar“ wären. Nannas Design-Team wollte das Thema nicht ändern, sondern an den wesentlichen Bestandteilen des Gemeinschaftsobjekts festhalten.

kunst & natur

Nach der Jury-Entscheidung kristallisierte sich Kriesten Garten in Leonberg schnell als Wunsch-Location für die Team-Arbeit der Kunstinstallation heraus. Während der von Nanna geplante „Kriesten Nature & Textile Week“ Ende Juli 2018 war die Installation in der Nähe des Koi-Fisch-Teichs in der einmaligen Gartenanlage eine Woche lang aufgestellt, in einem von großen Pflanzen befüllten Raum.

Die Exponate der Installation „natureDESIGN_textileLAB“ profitierten von der Unmittelbarkeit der präsentierten Gewächse und die buchstäblich greifbare Natur. Möglichkeiten der Reflektion und des Dialogs waren mannigfaltig gegeben. Textilvermittlung in Form von Bundle-Dye und japanischem Sashiko-Sticken wurde angeboten, zusätzlich zu Impulsvorträge und Künstlergespräche. Unter _programm im _archiv kann über die detaillierten Programmpunkte nachgelesen werden.

Interdisziplinäres Schaufenster

Die Kunstinstallation - das Regal - war eine Art Schaukasten, eine nur für kurze Zeit aufgebaute Präsentation eines interdisziplinären Projekts. Aus verschiedenen Blickwinkeln, mit unterschiedlichem Fokus, wurde die Natur und ihre Erscheinungen beobachtet und dargestellt. Back-to-the-roots – Ursprünge - spielte eine wichtige Rolle. Eine Fülle an Inspirationen und Motiven stand den Besuchern zur Verfügung. Der Mix aus naturbezogenen Materialien und Ergebnissen war Ausdruck von drei Stimmen. Auch zählte zur Projektarbeit ein Seminar in Sachsen-Anhalt zum Thema Tradition und Methode des Pflanzenfärbens mit Waid, inklusiv Waidernte sowie Vorbereitung und Verwendung einer Indigo-Küpe.

Wichtigkeit der Nachhaltigkeit

Als Designer spürt Nanna die Pflicht Nachhaltigkeitsgedanken und Betrachtungen immer in den Gestaltungsprozess miteinzubeziehen. Materialien und Produktionstechniken, die wir nicht selten von früher kennen, sind auf dem Vormarsch. Architekten suchen nach nachwachsenden biobasierten Rohmaterialien für den Bau, da eine massive Knappheit der Ressourcen prognostiziert wird.

Aus der Natur schöpfen

Welche Rolle spielen ursprüngliche Naturmaterialien für Nanna, wenn sie textile Ideen sucht und sich an ein bestimmtes Thema annähert? Wie weit geht sie in ihrer Recherche?
Ein Beispiel zeigt das Erlernen der Gewinnung von Basho-Bastfasern in Japan. Das Material „Basho“ kann in Japan nach traditioneller Methode aus der Rinde des Bananenbaums gewonnen werden. Nanna lernte diese Technik auf der Insel Okinawa im Süden Japans im September 2016 kennen. Bei der Ernte wird ein etwa drei Jahre alter Baum gefällt. Dies ist überliefertes Wissen, das die im Jahr 1921 geborene, heute noch täglich arbeitende, Toshiko Taira weitervermittelt.

Frau Taira hat den Titel „Lebender Kulturschatz Japans“ inne und ihre Lebensaufgabe ist es, die Methode der Bananenfaserherstellung aufrecht zu erhalten. Alles geschieht händisch. Keine Maschine, außer das einfache japanische Spinnrad, wird als Hilfsgerät verwendet. In der Installation wurde Nannas Basho-Knäuel in einem Glas präsentiert, den sie um ihren Daumen aufgewickelt hatte. Luft dringt in die Mitte ein. So bleibt das Bastfasergarn intakt und kann lange aufbewahrt werden.

fazit & ausschau 2019

Die Natur hat unendlich viele Gesichter und kann in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Sie kann für Inspiration stehen, als Lehrmeister fungieren, ein Labor zum Experimentieren und Beobachten oder ein beschützender Freund sein. Sie kann aber noch vieles mehr.

Exponate zu kreieren, auf Phänomene in der Natur hinzuweisen oder Objekte zu suchen, die einem Bedeutung schenken, hat einen tieferen Sinn. Es sind subjektive Wahrnehmungen. Und jede für sich präsentiert Aspekte der Natur.

Für Nanna sind Materialuntersuchungen, die sie eng mit Textiltechniken in Verbindung setzt, der Fokus des Projekts gewesen. Sie hat enorm vom Experimentieren profitiert. Das furchtlose und erwünschte Ausprobieren und Erkunden ohne ein Ziel vor den Augen zu haben, öffnet neue Türen der Erkenntnis. Das Kind-Bleiben ist bei dieser Art von Arbeit erwünscht.

Eine schöne Aussicht ist es jetzt schon für Nanna, im Juli 2019 die Veranstaltung „Kriesten Nature & Textile Week“ planen und durchzuführen zu können. Unter _programm auf dieser Website wird spätestens im Frühsommer 2019 das Angebot angekündigt.